Startups als Impulsgeber: Industrial Analytics unterstützt Digitalisierung bei Vattenfall

Jetzt bloß nicht stehen bleiben! In Zeiten zunehmender Digitalisierung sind neue Ideen und Technologien mehr denn je gefragt. Das spüren auch große Unternehmen wie Vattenfall deutlich – und öffnen sich dafür, mit jungen, innovativen Startups zusammenzuarbeiten. In einem gemeinsamen Pilot-Projekt überwacht Industrial Analytics aktuell einen Erdgasverdichter im Heizkraftwerk Berlin-Mitte. Oliver Küter, Mitarbeiter im Bereich Digital Maintenance bei Vattenfall, und seine Kollegin Tatiana Gómez Londoño, Leiterin im Bereich Monitoring, ziehen im Interview ein erstes Fazit.

 

Frau Gómez Londoño, Sie haben Vattenfall bereits seit einiger Zeit als externe Beraterin bei Digitalisierungsprojekten begleitet und sind inzwischen Leiterin der Monitoring-Abteilung. Was sehen Sie aktuell als größte Herausforderung in Ihrem Arbeitsbereich?

Tatiana Gómez Londoño: Wir möchten Digitalisierungsprojekte zukünftig zentral durchführen. Früher wurden solche Maßnahmen von jedem Kraftwerk bzw. jeder Anlage in Eigenregie individuell angegangen. Unser Hauptziel ist es aktuell, mehr Daten aus den einzelnen Anlagen zu gewinnen sowie zusammenzuführen und so Standards zu schaffen, die langfristig dazu dienen, die Effizienz und Sicherheit zu steigern.

 

Gibt es bei Vattenfall eine direkte Digitalisierungsabteilung?

Oliver Küter: Es gibt verschieden Digitalisierungsabteilungen auf unterschiedlichen Konzernebenen, die sich zum Großteil aber noch im Aufbau befinden. Dabei wird mit verschiedenen Ansätzen gearbeitet. Bestimmte Digitalisierungsmaßnahmen werden von oben gesteuert. Dabei geht es z.B. darum, den normalen Büro-Alltag oder den Kontakt zum Endkunden zu digitalisieren. Es gibt aber auch Digitalisierungsprojekte, die aus den einzelnen Bereichen kommen, wie z.B. aus den Abteilungen Digital Maintenance und Monitoring. Wir beschäftigen uns damit, wie wir die Prozesse der Energieerzeugung und -verteilung digitalisieren können.

In meinem Bereich sind wir der Wünsche-Erfüller für alles rund um die Instandhaltung der Anlagen. Andere Abteilungen kommen auf uns zu und machen uns darauf aufmerksam, wo etwas getan werden muss. Wir schauen dann gemeinsam, wie wir das lösen können. Zudem haben wir einen Arbeitskreis, in dem aus verschiedenen Bereichen der Wärme Berlin AG Mitarbeiter zusammenkommen und über aktuelle Digitalisierungsmaßnahmen sprechen. Dies sind jedoch in den wenigsten Fällen Personen, die sich Vollzeit damit beschäftigen. Meistens passiert das neben den normalen Arbeitstätigkeiten.

 

Welche Rolle spielen Startups wie Industrial Analytics dabei, Innovation in Ihrem Unternehmen voranzutreiben?

Tatiana Gómez Londoño: Wir merken immer stärker, wie wichtig der Blick über den Tellerrand ist. Jetzt gerade haben wir die Möglichkeit, viele unserer Prozesse und Rahmenbedingungen zu verbessern. Und es ist seitens des Konzerns gewünscht, dass wir externe Expertise und neue Ideen heranziehen.

Oliver Küter: Ich würde sagen, dass sich diese Bestrebungen in den letzten Jahren gerade auch mit dem Thema Digitalisierung verstärkt haben. Wir sind ein Energieversorgungsunternehmen und Digitalisierung ist nicht unsere Kernkompetenz.

Um diesen Prozess zu beschleunigen und mit unseren Mitbewerbern Schritt halten zu können, haben wir in den letzten Jahren damit begonnen, in gewissen Themengebieten mit Startups zusammenzuarbeiten.

 

Welches Fazit können Sie aus der Zusammenarbeit mit Industrial Analytics bisher ziehen?

Oliver Küter: Im Moment sind wir noch in der Projektphase. In einem großen Konzern sind die Entscheidungswege etwas länger als bei einem Startup. Das merken wir auch in der Zusammenarbeit mit Industrial Analytics. Das Team kann sehr schnell reagieren und sich anpassen. Was mich besonders überrascht und auch beeindruckt hat, war, mit wie viel Vorwissen Industrial Analytics ins Rennen gegangen ist.

Das Team konnte uns genau sagen, welche Sensoren eine konkrete Anlage benötigt. Das war der Aha-Moment, der uns auch dazu bewegt hat, mit Industrial Analytics zusammenzuarbeiten. Wir hoffen, dass wir in Zukunft gemeinsam mehr Wissen über unsere Anlagen generieren und daraus auch konkrete Schritte ableiten können.

 

Welche Schritte können das beispielsweise sein?

Oliver Küter: Wir möchten anhand von Datenanalysen den Zustand der Anlagen besser beurteilen. Früher gab es Ingenieure, die durch die Anlagen gelaufen sind und einfach gehört haben, wenn etwas nicht gestimmt hat. Wir müssen uns aber darauf einstellen, dass wir in Zukunft nicht mehr diese Ingenieure haben, die 20 Jahre am gleichen Standort sind. Das zusätzliche Wissen, das wir mit Industrial Analytics generieren, soll die Entscheidungsfindung bei Instandhaltungsmaßnahmen erleichtern. Wir hoffen, dass wir das jetzige Projekt erfolgreich abschließen und wir in Zukunft gemeinsame Projekte an anderen Anlagen starten können. Wir haben in unseren Kraftwerken noch viele andere Komponenten, über die wir mehr Daten sammeln und nutzen möchten.

Tatiana Gómez Londoño: Wichtig ist, dass wir nicht nur Daten in den einzelnen Kraftwerken gewinnen, sondern dass wir auch die Anlagen miteinander vergleichen können. Im Moment geht es vor allem darum, mehr über den aktuellen Zustand der Anlagen zu erfahren. Langfristig möchten wir aber auch Prognosen treffen können. Wenn eine Anlage z.B. zwei oder drei Tage nicht so gut läuft, ist es wichtig für uns zu wissen, woran das liegt. Nur so können wir Instandhaltungsmaßnahmen treffen, die verhindern, dass die Anlage zu Schaden kommt und Kosten entstehen.

Oliver Küter: Neben dem Kostenfaktor ist die Versorgungssicherheit bei uns ein ganz wichtiger Punkt. Unsere Kunden möchten Strom und warmes Wasser haben. Das zusätzliche Wissen hilft uns, Instandhaltungsmaßnahmen zu geeigneten Terminen durchzuführen und vorzubeugen, dass unsere Anlagen einfach ausfallen.